Posted by admin on April 15, 2020

Gesundheit vegan
Laktose-Intoleranz

Der Begriff „Laktoseintoleranz“ ist heutzutage für die meisten Menschen der westlichen Weltbevölkerung bekannt. Vor allem in größeren Städten ist es keine Herausforderung mehr, einen Bäcker oder ein Café zu finden, in dem „laktosefreie“ Milch angeboten wird. Dass das Phänomen Laktose-Intoleranz jedoch ganz anders ist, als wir denken, ist mir erst vor kurzem klar geworden.

 

Was ist Laktose und was passiert mit ihr in unserem Körper?

Laktose wird auch „Milchzucker“ genannt und ist ein Zweifachzucker (Disaccharid), bestehend aus Glukose und Galaktose. Mehrfachzucker, somit also auch die Laktose, werden in unserem Körper durch Enzyme gespalten und so in den Blutkreislauf geschickt, worüber sie dann zu ihrem Zielort transportiert werden. Das spaltende Enzym für die Laktose ist „Laktase“, welches im Dünndarm die Laktose in seine zwei Bestandteile zerlegt. Dieses Enzym wird bei uns Menschen nach der Geburt automatisch produziert, um die Laktose in der Muttermilch aufzuspalten.

 

Wodurch werden wir intolerant gegenüber Laktose?

Ein Problem mit Laktose in unserem Körper entsteht dann, wenn das Enzym Laktase nicht mehr in ausreichendem Maß von unserem Körper produziert wird. In diesem Fall gelangt die Laktose unverarbeitet in unseren Dickdarm. Sie besitzt die Eigenschaft, Wasser zu binden, so dass Wasser aus dem Gewebe in den Darmlumen strömt. Dies ist die Ursache für das bei Laktoseintoleranz typische Symptom Durchfall.

Im deutschsprachigen Raum leiden etwa 15% der Menschen an Laktoseintoleranz. In Afrika und Asien sind es ca. 90%.

 

Laktoseintoleranz vs. Laktase-Persistenz

cow-3371844_640.pngDie eigentliche Frage, die wir uns stellen müssen, ist, warum hört unser Körper auf, Laktase zu produzieren und verursacht dadurch, dass wir den Milchzucker nicht mehr aufspalten können. Im Grunde, finde ich, liegt die Antwort auf der Hand, wenn man mal näher darüber nachdenkt. Als Neugeborene benötigen wir die Milch unserer Mutter. Klar, dass unser Körper natürlicherweise dafür sorgt, dass wir diese verdauen können. Danach folgt aber eine Zeit, in der wir auf feste Nahrung umsteigen und auf die Muttermilch nicht mehr angewiesen sind bzw. diese gar nicht mehr ausreichend ist für das, was unser Körper für sein schnelles Wachstum benötigt. Unsere Mutter stillt uns ab und füttert uns ausschließlich mit fester Nahrung. Kuhmilch ist kein ursprüngliches und natürliches Lebensmittel, das Menschen zu sich nehmen müssen. Während beispielsweise in der Zeit der Ägypter Kuhmilch als heilig galt und die Pharaonen darin gebadet haben sollen, ist das Trinken von fremder Muttermilch ein Verhalten, das sich im Zusammenhang mit der Landwirtschaftlichen Revolution etabliert zu haben scheint. Durch die Haltung von Nutztieren wurde Milch ein Nahrungsmittel, das regelmäßig verfügbar war und eine gute Eiweißquelle darstellte.

Aus dieser Perspektive betrachtet, ist es nicht verwunderlich, dass unsere Körper nicht pauschal darauf eingestellt sind, Laktase weiter über die Stillzeit hinaus zu produzieren. Eigentlich scheint es eher eine evolutionäre Anpassung zu sein, dass durch den vermehrten Konsum von Tiermilch die Produktion des Enzyms bei einigen Menschen weiter anhielt bzw. heute anhält. Diese Anpassung bzw. dieses Phänomen wird als „Laktase-Persistenz“ bezeichnet. Demgegenüber sind Personen, die das Enzym Laktase über das Kleinkindalter hinaus nicht weiter produzieren „laktase-nicht-persistent“, also laktoseintolerant.

Studien zufolge gab es vor etwa 8.000 bis 4.000 Jahren in Europa zum ersten Mal Menschen, die eine solche Laktase-Persistenz aufwiesen (Gerbault et al., 2013a; Segurel et al., 2017). Wahrscheinlich aber trat die Laktase-Persistenz in Europa erst ab dem Mittelalter häufiger auf (Krüttli et al., 2014; Segurel et al., 2017).

Weltweit weist wohl ein Drittel der Menschen eine Laktase-Persistenz auf, was im Umkehrschluss bedeutet, dass rund zwei Drittel laktoseintolerant sind. Wie oben bereits erwähnt, betrifft dies vor allem die Menschen im afrikanischen und asiatischen Raum. Studien zufolge sind in Ostasien weniger als 5% der Menschen laktase-persistent, somit können also über 95% der dort lebenden Menschen Laktose nicht verdauen.

lactose-1349759_640.pngAus meiner Sicht bzw. aus der geschilderten Perspektive stellt der Umgang mit einer sogenannten Laktoseintoleranz in unserer westlichen Welt daher eine Verschleierung der Situation dar. Denn abgesehen davon, ob man es für eine gute Idee hält, Kuhmilch zu trinken oder nicht. Die Perspektive der Laktaseproduktion für Säuglingsmilch macht zumindest deutlich, dass das Trinken von Kuhmilch keinesfalls alternativlos ist. Vielmehr haben sich unsere Vorfahren aus Überlebensgründen daran gewöhnt. Denn zu einer Zeit, in der es darum ging, auch harte und lange Winter ohne frisches Obst und Gemüse zu überstehen, stellte die Kuhmilch sicherlich eine gute Nährstoff- und Eiweißquelle dar. Heutzutage gibt es diese Lebensnotwendigkeit jedoch nicht mehr. Stattdessen hat sich der industrielle Zweig für laktosefreie Produkte extrem entwickelt. Während es für mich bei einigen kleinen Bäckern immer noch schwer ist, eine Pflanzenmilch für meinen Kaffee zu bekommen, ist laktosefreie Milch heutzutage Standard.

Wenn du also feststellst, dass du auf Kuhmilch mit Verdauungsbeschwerden und Schmerzen reagierst, dann probiere doch einfach mal eine der vielen pflanzlichen Alternativen. Denn, was dir dein Körper in dem Fall signalisiert, ist, dass er nicht dazu in der Lage ist, das angebotene Lebensmittel zu verarbeiten. Warum also daran festhalten?

 

 

 

Quellen:

Gerbault, P., Liebert, A., Itan, Y., Powell, A., Currat, M., Burger, J., Swallow, D.M., and Thomas, M.G. (2011). Evolution of lactase persistence: an example of human niche construction. Philos Trans R Soc Lond B Biol Sci 366, 863–877. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21320900

Ye, K., and Gu, Z. (2011). Recent Advances in Understanding the Role of Nutrition in Human Genome Evolution 12. Adv Nutr 2, 486–496. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22332091

Ségurel, L., and Bon, C. (2017). On the Evolution of Lactase Persistence in Humans. Annu Rev Genomics Hum Genet 18, 297–319. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28426286

Krüttli, A., Bouwman, A., Akgül, G., Della Casa, P., Rühli, F., and Warinner, C. (2014). Ancient DNA Analysis Reveals High Frequency of European Lactase Persistence Allele (T-13910) in Medieval Central Europe. PLoS One 9. https://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0086251


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