Posted by admin on April 8, 2020

Essen im Wandel Essen auf Reisen Alltagsessen

Ich möchte gar nicht wissen, wie viele Menschen diesen Glaubenssatz im Kopf haben. Ich war früher selber einer dieser Menschen. Abgesehen davon, dass ich lange gar nicht wusste, was vegan eigentlich genau bedeutet, war meine Meinung ziemlich voreingenommen. Ich erinnere mich noch gut an eine Situation in meiner damaligen WG-Küche. Meine Mitbewohnerin und Freundin aus Schulzeiten war seit kurzem mit ihrem Freund zusammen, der sich auch damals schon rein pflanzlich ernährt hat. Diese Formulierung mag ich übrigens mittlerweile lieber als „vegan“, da mein Eindruck ist, dieser Begriff ist vorbelastet und wird auch zu inflationär benutzt und vermarktet. Bei vegan halten sich sofort einige die Ohren zu oder rümpfen mit der Nase und das kann ich sogar ein bisschen verstehen. Ich glaube aber an das Prinzip einer rein pflanzlichen Ernährung und benutze daher auch immer häufiger diese Formulierung, um deutlich zu machen, dass es nicht um einen Trend, sondern ein grundsätzliches Ernährungsverhalten geht. Aber zurück zu meiner Freundin und ihrem veganen Freund. Wir trafen uns damals zufällig in der Küche und sie war dabei, eine Bolognese-Sauce aus Soja-Hack zuzubereiten. In meinem Kopf spielte sich sofort ein überheblicher Film der Verurteilung ab im Sinne von „ach, kaum, dass ihr Freund sich so ernährt, muss sie das auch machen, na klar“. Für diese Gedanken schäme ich mich noch heute, da ich sie nicht nur extrem intolerant finde, sondern mir auch eingestehen muss, dass ich damals wirklich keinen Plan von gar nichts hatte. Wie gesagt, ich wusste noch nicht einmal, was vegan eigentlich genau bedeutet.

Heute ist das etwas anders. Ich ernähre mich bereits einige Jahre rein pflanzlich, habe mich viel mit dem Thema auseinandergesetzt und bin nicht nur überzeugt von der Ernährungsweise, sondern finde es auch megaspannend, mich tiefer und tiefer in diese ganzen Ernährungsthemen und damit unsere Gesundheit einzulesen. Was ich heute aus Überzeugung sagen kann: Veganer essen nicht nur Salat und Rohkost. Ganz im Gegenteil! Ziemlich oft, wenn meine Schwester und ich über einem Teller gefüllt mit einem absolut leckeren rein pflanzlichen Gericht sitzen, schauen wir uns schelmisch an und stellen uns die Frage „Was essen Veganer eigentlich so?“. Meine Schwester ist mittlerweile auch überzeugt von der pflanzenbasierten Nahrung und wir überbieten uns ständig in unseren Experimentierversuchen, leckere und gesunde Gerichte zu zaubern. Hier soll es daher darum gehen, mit dem Vorurteil, Veganer essen nur Salat und Rohkost, aufzuräumen und stattdessen aufzuzeigen, wie lecker und vielseitig die pflanzliche Küche sein kann. Eine Anmerkung gleich vorne weg: Bisher hat keiner unserer Besucher sich beschwert. Mein Eindruck war bisher immer, dass es unseren Besuchern gut geschmeckt hat. Entweder haben mein Mann und ich einfach extrem höfliche Freunde oder das Essen ganz ohne tierische Produkte war tatsächlich auch für Mischköstler lecker.

 

Nudeln, Kartoffeln und Reis

Eine Frage, die ich, seit ich mich pflanzlich ernähre, bestimmt schon an die 100 Mal gestellt bekommen habe, ist „Was essen Veganer eigentlich?“. Manchmal schießt mir dann in den Kopf „Äh, hallo! Alles, was du auch isst. Nur eben ohne Fleisch und Milch!“ Aber hey, wie gesagt, ich hatte früher auch keinen Plan, also ist die Frage nachvollziehbar. Trotzdem, wenn man mal darüber nachdenkt, die Grundnahrungsmittel sind alle rein pflanzlich. Nudeln, Kartoffeln, Reis, Pommes, Quinoa, Lasagne-Blätter, Couscous, und all die anderen sogenannten „Pseudo-Getreide“. Wenn ich also nicht gerade Nudeln mit Ei oder Kartoffelprodukte, die mit Milchpulver zubereitet wurden, kaufe, gibt es hier schon mal kein Problem. Und diese Milchpulver-Sache ist und bleibt für mich ohnehin ein Rätsel. In wie vielen Produkten eigentlich nichts Tierisches drin ist und dann aber Milchpulver reingemischt wurde, ist wirklich krass! Wer also auf Nummer sicher gehen möchte, sollte immer nochmal auf die Rückseite der Verpackung schauen. Leichter ist es bei Kartoffeln und Reis. Je natürlicher das Produkt, desto größer sind die Chancen darauf, dass es rein pflanzlich ist.

 

Gemüse und Obst – Werde experimentierfreudig!

Tadaa! Wer hätte es gedacht, Gemüse und Obst sind tatsächlich vegan! Also ich gehe hier natürlich von möglichst naturbelassenen Lebensmitteln aus. Es soll ja wohl vorkommen, dass Äpfel mit Läusen eingerieben werden und so. Das finde ich irgendwie eklig und meide ich weitestgehend. Aber an sich können wir in der Obst und Gemüseabteilung erstmal nichts falsch machen. Das coole an meiner pflanzlichen Ernährung ist, dass ich seitdem viel mehr Obst und Gemüse kennengelernt habe. Während ich früher außer Paprika, Tomaten, Champignons, Gurke und Karotte eigentlich nichts gemüsiges gegessen habe, probiere ich mich heute gerne durch die gesamte Abteilung. Mangold, Grünkohl, Rote Beete, Rüben, Löwenzahn, Rosenkohl und vieles anderes landet dabei in meinem Einkaufskorb. An alle „Naserümpfer“, wartet ab. Es folgen gleich noch ein paar Tipps, was ihr hiermit anfangen könnt.

Ich habe festgestellt, das Wichtigste ist, sein Gehirn einmal durchzuschütteln und sich von den fünf Standard-Gerichten, die im Kopf abgespeichert sind, zu verabschieden. Ihr könnt sie gerne später wieder hervorholen und auch diese einfach mal rein pflanzlich zubereiten. Mich haben diese Gerichte aber zunächst gedanklich blockiert, weil ich nicht wusste, was ich stattdessen essen soll. Neben Kartoffeln mit Quark, Spaghetti Bolognese, Lasagne, Kartoffelsuppe und Pommes mit Würstchen gab es eigentlich keine große Abwechslung in meiner Studentenküche.

 

Meine Zauberformel für leckere pflanzliche Gerichte:

Nimm alle Zutaten, die dir richtig gut schmecken und auf die du gerade Lust hast (natürlich alles rein pflanzlich). Bei mir waren das zu Beginn oft Nudeln, Champignons, Tomaten und Paprika. Schnappe dir eine Pfanne oder noch besser einen Wok und dünste alles zusammen mit Zwiebeln und Knoblauch ein wenig an. Mit Tomatensauce ist das schon eine Art Bolognese. Was auch immer geht, ist, alles in eine Auflaufform zu schütten und mit Käse zu überbacken. Wer keinen veganen Käse mag, kann zum Beispiel Hefeflocken drüberstreuen. Sehr lecker! Zu Beginn meiner veganen Kochversuche habe ich fast jedes Essen in einem Wok zubereitet, weil ich so einfach alles zusammenschütten konnte, wonach mir gerade war. Ebenfalls eine tolle Möglichkeit hierfür ist Ofengemüse. Das geht sogar fast noch einfacher als im Wok. Schmeiße einfach alles, worauf du Lust hast in eine Schüssel, gieße etwas Olivenöl darüber und würze alles ordentlich durch. Danach backst du das Gemüse im Ofen so lange, bis es gar ist. Wer mag, kann hierzu einen Dip oder einen Sojajoghurt ergänzen. Überlege dir zur Not, wie du eine Zutat ersetzen kannst. Wer zum Beispiel in einer Bolognese gerne etwas mehr Biss hätte, kann das Hackfleisch durch ganz klein gewürfelte Karotten ersetzen. Ich habe mittlerweile eigentlich für fast alles einen leckeren Ersatz gefunden. Das Geheimnis ist, kreativ zu werden. Ich kenne heute auf jeden Fall viel mehr Gerichte als zu meiner Mischkostzeit. Frag mich gerne, wenn du eine Anregung zum Ersetzen einer bestimmten Zutat suchst. Perfekt geeignet hierfür sind zum Beispiel auch Linsen und damit sind wir schon beim nächsten Abschnitt.

 

Hülsenfrüchte

Warum hat mir eigentlich nie jemand gesagt, wie gesund und absolut lecker Hülsenfrüchte sind?! Kichererbsen, Linsen, Bohnen, Erbsen, all das sind nicht nur extrem gute Proteinquellen, sondern sie eignen sich auch noch perfekt um jedes Essen ein bisschen aufzumotzen. Linsen zum Beispiel passen super in jede Bolognese, Lasagne oder andere Gerichte, die üblicherweise mit Hackfleisch zubereitet wurden. Chili sin Carne schmeckt auch super ohne Fleisch, wer mag, kann aber auch hier rote Linsen reinmischen. Kichererbsen passen eigentlich überall rein. Finde ich zumindest. Ich liebe sie! Vor allem passen sie aber in jede Art von Curry. Einfach wieder dein Wunschgemüse andünsten, Kichererbsen dazu, etwas Kokosmilch und mit Reis servieren. Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemanden vom Gehalt oder Geschmack her etwas fehlen wird. Selbst, wenn es doch mal nur ein Salat sein soll. Ergänzt um Hülsenfrüchte wird dieser zu einem richtigen Sattmacher und gewinnt auch geschmacklich sofort was dazu. Ein absolutes Highlight sind für mich übrigens Bohnenpattys. Entweder, um damit einen Burger zu machen oder um sie einfach als vegane Boulette zu Kartoffelsalat dazu zu essen. Mega lecker und was ich am tollsten finde, ich muss mir keine Gedanken darüber machen, ob das Fleisch auch wirklich durch ist. Ohnehin ist das ein riesiger Vorteil der pflanzlichen Ernährung. Ich kann den Kuchenteig vom Löffel ablecken (kein Risiko wegen roher Eier), Pflanzenmilch wird so gut wie nicht ranzig (habe ich zumindest noch nicht erlebt) und eben kein Risiko, dass bei der Zubereitung etwas nicht richtig durch ist und damit ungesund.

 

Na, wer traut sich?

Ihr seht, es ist also tatsächlich nur ein Vorurteil, dass Veganer nur Salat und Rohkost essen. Ab und zu mal mag ich das. Aber an sich stehe ich eher auf warme und abwechslungsreiche Gerichte und da wird mein Appetit in der pflanzlichen Küche und voll und ganz gestillt. Bei mir landen regelmäßig auf dem Teller:

  • Pizza
  • Suppen
  • Currys
  • Risottos
  • Nudelpfannen
  • Bolognese, Chili und Co.

Wer von euch hat Lust, mal wieder kreativ zu werden in der Küche und ich sich durch das Gemüseregal zu probieren? Ich sage euch, ich bin nicht die Einzige, die nach der Ernährungsumstellung wesentlich mehr Spaß am Kochen entwickelt hat als zuvor. Gerade das Herumexperimentieren und Ersetzen macht einfach nur Spaß und bringt einem die pflanzliche Küche mit einer Leichtigkeit näher. Probiert es aus! ​


Rezeptvorschläge

Vegane Linsen-Lasagne

Dieses leckere Rezept für eine vegane Linsen-Lasagne lässt sich nicht nur einfach zubereiten, sondern ist obendrein auch noch sehr gesund dank der roten Linsen und dem vielen Gemüse.

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Ofengemüse

Dieses Gericht passt immer dann, wenn es schnell gehen soll, du Reste verwerten möchtest oder einfach Lust hast auf eine bunte Mischung an leckerem Gemüse.

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