Wie wir das Feuer am Laufen halten 

Posted by admin on October 9, 2020

Ayurveda

Möchte man sich mit Ayurveda beschäftigen, fragt man sich wahrscheinlich zurecht: Womit soll ich nur anfangen? Das Wissen ist breit und die Empfehlungen unzählbar. Doch wer Agni versteht und beherzigt, hat schon sehr viel gewonnen.

Liest man in den alten Texten so findet sich zu Agni unter anderem dieser Satz:

„Erlischt agni, so stirbt der Mensch. Funktioniert es angemessen, so lebt man lang in Gesundheit; weist es Fehlfunktionen auf, so wird man krank. Deswegen wird agni die Wurzel von allem genannt.“ – Charaka Samhita, Cikitsasthana 15.3-4

Agni heißt übersetzt zunächst einmal Feuer. Wie auch andere traditionelle Medizinkonzepte beschreibt Ayurveda 5 Element aus denen wir als Menschen, aber auch unsere Umwelt bestehen: Äther, Luft, Feuer, Wasser und Erde.  Diese Elemente wirken in uns und übernehmen unterschiedliche physiologische Aufgaben.

Ganz zentral für unsere Gesundheit ist im Ayurveda Agni im Sinne unseres Verdauungsfeuers „jatharagni“. Stell dir vor im Bereich deines Magens brennt ein Lagerfeuer. Dieses Feuer ist dafür zuständig alles was du ihm präsentierst für dich so zu verarbeiten, zu verbrennen, dass du den optimalen Nutzen aus deiner Nahrung ziehen kannst und Energie für die Anforderungen des Alltags gewinnst. Wir wollen Agni also am Laufen halten. Die Flamme will gepflegt und umsorgt werden. 

In unseren Breitengraden ist es häufig so, dass Agni sehr viel zu tun hat. Zu große und schwere Mahlzeiten zur falschen Tageszeit machen es unserem Verdauungsfeuer aus ayurvedischer Sicht wirklich schwer die Flamme aufrecht zu erhalten.

Agni ist also ein ganz zentrales Konzept insbesondere (aber nicht nur), wenn wir uns mit unserer Ernährung beschäftigen wollen. Ernährung im Ayurveda ahara genannt, gehört zu den 3 Säulen eines gesunden Lebens, auf die ich an anderer Stelle noch einmal zurückkommen möchte.

 

Was geschieht, wenn wir Agni überlasten?

Jeder Mensch hat ein konstitutionell unterschiedlich stark angelegtes agni. Fühlen wir uns nach einer Mahlzeit müde und schwer oder bekommen Verdauungsbeschwerden, so haben wir unserem Agni vermutlich zu viel zugemutet. Überlasten wir unser agni dauerhaft, so dass es nur noch auf Sparflamme läuft, bleibt eventuell einiges übrig, das nicht verbrannt werden kann. Dies kann zu einem Stoffwechselprodukt führen, das ama genannt wird. Und ama führt langfristig zu Krankheiten. 

 

Wie können wir unser Agni pflegen?

Es macht also Sinn sich um sein Agni zu kümmern und schon den frühen Anzeichen einer Agni-Schwäche (mandagni) entgegenzutreten. Wir möchten Agni auf der einen Seite entlasten und auf der anderen Seite stärken.

Entlastung und Stärkung für unser Verdauungsfeuer können wir im Alltag z.B. wie folgt erreichen:

1.      Warme Mahlzeiten: Wir garen unser Essen vor und nehmen Agni dadurch Arbeit ab.

2.     Pausen zwischen den Mahlzeiten: Wir geben Agni die Möglichkeit die von uns aufgenommene      Nahrung vollständig zu verdauen und verzichten auf Zwischenmahlzeiten. Zwischen zwei Mahlzeiten sollten im Idealfall mindestens 4-5 Stunden liegen.

3.      Regelmäßige und an die Tageszeit angepasste Mahlzeiten: Morgens wie ein Bettelmann (Agni schwach), mittags wie ein Kaiser (Agni stark), abends wie ein „etwas vermögenderer Bettelmann“ und nicht zu spät (max bis 20 Uhr).

4.      Gewürze: Um Agni gut zu unterstützen ist die ayurvedische Küche reich an Gewürzen und je nach Konstitution kann man sich hier wild austoben. Beliebt sind: Kurkuma, Ingwer, Kardamom, Zimt, Anis, Fenchel usw. 

Diese Agni-Pflege lädt uns dazu ein, zunächst einmal in uns hinein zu spüren. Wie fühle ich mich nach dem Essen? Und was verändert sich, nachdem ich vielleicht nur eine Kleinigkeit anders gemacht habe? 

Ein erster Schritt könnte z.B. sein zunächst nur eine Mahlzeit am Tag umzustellen. Wie wäre es also mit einem leckeren warmen Porridge zum Früstück? 

Ich freue mich über eure Erfahrungsberichte!

Eure Svenja